Offener Brief gegen Uni-Kürzungen und Militarisierung

Sehr geehrtes Rektorat,

Sehr geehrte Regierung,

wir – die Studierenden, der Mittelbau und die Angestellten der Universität Wien – sind nicht bereit, die angekündigten Einsparungen hinzunehmen. Anstatt von Rekord-Militärausgaben fordern wir Investitionen in Bildung und soziale Absicherung.

Wir fordern sämtliche Organe der Universität Wien, insbesondere das Rektorat, dazu auf, dafür Sorge zu tragen, dass keine weiteren Einsparungen die Universitäten treffen. Wir fordern das Rektorat auch auf, uns als Basis in die Verhandlungen um das universitäre Budget und etwaige Maßnahmen einzubeziehen. Das würde bedeuten, uns alle nötigen Informationen zukommen zu lassen, damit wir Aktionen dagegen setzen können.

Es darf auf keinen Fall zu inneruniversitären Verteilungskämpfen kommen. Insbesondere dürfen nicht Fachbereiche, deren Forschung und Lehre dem Kapital dienlicher sind als andere, gegenüber diesen anderen Fachbereichen bevorzugt werden.

Die Universitäten müssen jenseits von Staats- und Kapitalinteressen ihrer Forschung frei und mit den dafür notwendigen Ressourcen ausgestattet nachgehen können. Das bedeutet, dass Fachbereiche und Forschung, die politischer und finanzieller Repression ausgesetzt sind, vor dieser geschützt werden müssen. Die Universitäten dürfen nicht der Staatsräson dienen!

Es braucht eine Universität, die marginalisierten Stimmen einen Raum gibt und auf den Abbau von Diskriminierungsstrukturen hinarbeitet, statt diese weiter auszubauen. Dazu gehören umfassende Reformen hinsichtlich Struktur und Ressourcen, sowie ein Bekenntnis zur Universität als politischem Möglichkeitsraum anstelle der Illusion einer neutralen Ausbildungsinstitution.

Im Zuge dessen bedarf es einer Demokratisierung der Universitätsstrukturen: Die im Hochschulgesetz verankerten politische Meinungsäußerungen und Initiativen — wie etwa die in der Studierendenvollversammlung am 2. Juni 2026 vorgetragenen Forderungen – bedürfen greifbarer politischer Mittel der Umsetzung. In ihrer aktuellen Form können politische Anliegen, die von Studierenden, Mittelbau oder anderen Angestellten der Universität vorgebracht werden, zu leicht von der Universitätsvertretung und dem Rektorat unter den Tisch gekehrt werden.

Außerdem braucht es zunächst ausreichend Ressourcen und weiterhin eine Mitbestimmung der Studierenden, des Mittelbaus und anderweitig Angestellten über die Verwendung ebendieser Ressourcen sowie den Inhalt der Lehre, sodass Veranstaltungen zu Themen, die als kontrovers erachtet werden, nicht unterbunden werden können. Die anhaltende systematische Unterbindung freier Diskussionen zu Themen wie dem Genozid in Palästina oder der Militarisierung der EU-Staaten verweisen darauf, dass die Universitäten ihrem Selbstanspruch zu freier Lehre nicht gerecht werden.Für eine Aufrechterhaltung von guter Lehre und Forschung braucht es unter anderem folgendes:

1. Die völlige Abschaffung von Studiengebühren

2. Keine Kürzung von Studienplätzen und den Ausbau von Kapazitäten, sowohl Studienplätze als auch Personal betreffend

3. Keine Schließungen von Studiengängen und Fachbereichen, sowie die Verbesserungen von Studienbedingungen

4. Keine Job-Streichungen, dafür bessere Betreuung und Dauerstellen für Daueraufgaben

5. Gleichbehandlung von Bewerber*innen sowie Angestellten aus sogenannten Drittstaaten

6. Keine Kürzungen unserer akademischen Zukunft, dafür mehr Qualifikationsstellen

7. Forschung unabhängig von Profit- und Staatsinteressen

8. Keine Forschung zu Militär- oder nachrichtendienstlichen Zwecken

Wir sind vorbereitet, im Herbst durch breite Mobilisierung der Studierenden, des Mittelbaus und sonstiger Angestellten für unsere Forderungen zu kämpfen. Dazu streben wir Demonstrationen, eine Vollversammlung, und falls nötig einen Bildungsstreik an.

Wir fordern Studierende, Mittelbau und sonstige Angestellte aller anderer Universitäten auf, diesen offenen Brief für ihre jeweilige Situation an ihren Universitäten zu adaptieren und sich unserem Protest anzuschließen.

— Offenes Bündnis gegen universitäre Kürzungen und Militarisierung

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